Schneiderballen, tailors bunion (verdickter Kleinzehenballen)
Wie an der Großzehe, so kann es auch am 5. Mittelfußstrahl zu einer knöchernen Fehlstellung mit Ausbildung einer schmerzhaften Schwiele kommen, die im Schuh drückt.

Der Schneiderballen (tailor‘s bunion, bunionette) bzw. schmerzhafter Kleinzehenballen bezeichnet ein schmerzhaftes MFK V aufgrund einer entzündeten Bursa und/oder einer Hornhautschwiele (Abb.1), die durch eine dauerhafte Druckbelastung (z.B. Schneidersitz, Schuhkonflikt) entsteht. Die Bezeichnung „Schneiderballen“ geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als die Schneider barfuß auf dem Tisch oder Boden mit gekreuzten Beinen gearbeitet haben. Prädisponierend ist eine Fehlstellung des Metatarsale V. Radiologisch lassen sich nach Coughlin und Mann (9) drei Typen unterscheiden (Abb.2).
Konservativ
Operativ (offen oder MIS)
In der Literatur werden wie am Metatarsale I zahlreiche Korrekturosteotomien beschrieben.
Eine ausschließliche laterale Exostosenabtragung ist bei der Typ I Fehlstellung möglich (Abb. 3 und 4). Sie ist im Vergleich zur Exostosenabtragung mit zusätzlicher distaler Osteotomie deutlich weniger effektiv.
Die Köpfchenresektion erfolgt durch eine leicht nach lateral abgeschrägte Osteotomie. Die Köpfchenresektion ist nur in Ausnahmefällen, bei Knochendestruktionen, chronischen Ulcera, nach gescheiterten Voroperationen, chronisch luxierter Kleinzehe und rigiden Verhältnissen notwendig.
Im Folgenden werden die am häufigsten verwendeten Osteotomiemethoden dargestellt.
Komplikationen
Nachbehandlung
Die postoperative Belastung und Dauer der Thromboseprophylaxe richtet sich nach der Wahl der Osteotomie. Bei der Exostosenabtragung und Köpfchenresektion erfolgt eine Vollbelastung im Therapieschuh bis eine ausreichende Abschwellung und ein schmerzfreies Gehen im normalen Schuhwerk möglich ist. Bei einer distalen Osteotomie sowie bei der Scarf-Osteotomie erfolgt eine Vollbelastung über 4-6 Wochen im Therapieschuh. Bei Wahl der Schrägosteotomie im Schaftbereich und proximalen Osteotomien wird eine sechswöchige Vorfußentlastung unter Fersenvollbelastung empfohlen.
Studien zu den verschiedenen Korrekturoperationen beim Schneiderballen mittels Osteotomie zeigen in 93% der Fälle gute oder sehr gute Ergebnisse (1-5, 7-14, 16-20). Es handelt sich hier jeweils um Fallserien einzelner Osteotomietechniken. Es gibt laut Literatur keine Evidenz zur Überlegenheit einer OP Technik. Eine ausschließliche
Exostenabtragung eignet sich nur bei Vorliegen einer Typ I Deformität. Sie ist häufig nicht ausreichend und führt zu Rezidiven. Bei übermäßigem Abtragen der Exostose besteht die Gefahr von postoperativen Subluxationen im MTP V Gelenk (6). Die Korrektur einer Typ I Fehlstellung erfolgt durch eine Chevron Osteotomie (V-förmig) (siehe Röntgenbild 1 und Abb. 3-10) oder subkapitale Schrägosteotomie (1, 4, 7, 8, 9, 13, 14, 16).
Bei einer Typ II und III Fehlstellung eignet sich eine Scarf-Osteotomie (Z-förmig) (siehe Röntgenbild 2, Abb. 11), eine Schrägosteotomie im Schaftbereich des fünften Mittelfußknochens (siehe Röntgenbild 3) oder eine basisnahe Osteotomie (3, 5, 10, 17). Die Nachuntersuchungsergebnisse nach offener Korrektur entsprechen denen nach minimalinvasiver Korrektur (1-5, 7-14, 16-20). Die Schwellungszustände nach minimalinvasiver Operation sind ausgeprägter und langandauernder als nach offener Technik (4, 16). Eine Entfernung des teilweise schmerzhaften Schleimbeutels ist nur im Rahmen der offenen Techniken möglich. Die postoperative Beweglichkeit im MTP Gelenk ist bei der MIS Technik identisch zur offenen Technik (4).
Basisnahe Osteotomien am MT V ermöglichen eine gute Korrektur von Typ III Fehlstellungen, aufgrund der Blutversorgung besteht hier jedoch analog zu den Frakturen eine höhere Pseudarthrosengefahr als bei den subkapitalen und diaphysären Osteotomien (2, 15). Die Wahl der Therapie ist abhängig vom Beschwerdebild, dem klinischen und radiologischen Befund sowie der Erwartungshaltung, der Compliance und den evtl. Nebenerkrankungen des Patienten.